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Donnerstag, 9. September 2021

Die Abstandsaufkleber sind da - Mehr Sicherheit beim Überholvorgang im Meißner Stadtgebiet

Verkehrsplaner Anatoly Arkhipov bringt einen gelben Abstandsaufkleber auf dem Heck eines Dienstfahrzeugs an
Möglichst viele Verkehrsteilnehmer auf die geltenden Überholabstände aufmerksam machen, das ist Ziel einer Kooperation von Stadt Meißen, Meißner Stadtwerken und Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungsgesellschaft Meißen. Um ein rücksichtsvolles Miteinander von Rad- und Kfz-Verkehr zu fördern, werden die Hecks der städtischen Fahrzeugflotten nach und nach mit dem markanten gelben „1,5m-Abstandsaufkleber“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e. V.  versehen.

Neben den Fahrzeugen der Stadtverwaltung erhalten dabei auch fünf Fahrzeuge der SEEG sowie 30 MSW-Fahrzeuge den gut sichtbaren Aufkleber. Die Idee entstand im Arbeitskreis Radverkehr.

Radfahrer müssen sich auf den Straßen im Meißner Stadtgebiet den Platz häufig mit PKW, LKW und anderen motorisierten Fahrzeugen teilen. Die Verträglichkeit von diesem sogenannten Mischverkehr ist unter anderem abhängig von der Kraftfahrzeugverkehrsstärke, den zugelassenen Höchstgeschwindigkeiten für den Kfz-Verkehr oder auch von der verfügbaren Fahrbahnbreite.

Problematisch wird diese Führungsform immer dann, wenn Fahrbahnbreiten von innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen zwischen sechs und sieben Metern liegen und das Verkehrsaufkommen ca. 400 Kfz/Spitzenverkehrsstunde übersteigt. Der verfügbare Straßenraum in den Hauptverkehrsstraßen lässt es jedoch nicht immer zu, eigenständige Radinfrastruktur, wie z. B. Schutz- und Radfahrstreifen oder separate Radwege, zu realisieren. Aber auch in verkehrsberuhigteren Erschließungsstraßen, die für Radfahrende wichtige Durchgangs- und Verbindungsfunktionen haben, ist Konfliktpotenzial zwischen den Verkehrsteilnehmern nicht ausgeschlossen.

Aus diesen Gründen ist die gegenseitige Rücksichtnahme und Akzeptanz zwischen Kfz-Fahrern und Radfahrenden umso bedeutender für ein sicheres Miteinander im Straßenverkehr. Ein sensibles Thema stellt dabei immer wieder der Abstand beim Überholen von Radfahrenden dar.

Um Gefahren beim Überholen in Zukunft zielorientiert entgegenzuwirken, trat am 28. April 2020 die 54. Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften (StVO-Novelle) in Kraft. Sie schreibt nunmehr konkrete Mindestüberholabstände vor. Bisher sah die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) lediglich einen ausreichenden Seitenabstand vor.

Nun müssen Kraftfahrzeuge aus Verkehrssicherheitsgründen beim Überholen von Radfahrenden und Fußgängern einen Überholabstand von mindestens 1,5 Meter innerhalb geschlossener Ortschaften einhalten. Dies gilt auch für Fahrer von Elektrokleinstfahrzeugen, wie beispielsweise E-Scooter, sowie für einspurige Fahrzeuge, wie Motorräder, Roller und Mofas. Bei Verstoß droht ein Bußgeld und gegebenenfalls ein Punkt in Flensburg.

„Ein zu enges Überholen gefährdet die Verkehrssicherheit des Radverkehrs und kann zu Verkehrsunfällen führen. Anderseits werden Radfahrende dadurch oftmals zu sehr an den rechten Fahrbahnrand gedrängt, wodurch sie anfälliger sind für Stürze durch Unebenheiten, Gullideckel oder hohe Bordsteine. Gleichzeitig befinden sich die Radverkehrsteilnehmer dadurch aber auch im Türöffnungsbereich parkender Fahrzeuge, was äußerstenfalls in Arkhipov.

Außerorts und bei Geschwindigkeiten von über 50 km/h sind laut StVO-Novelle zudem zwei Meter Überholabstand verpflichtend einzuhalten. Dieser Abstand gilt auch innerorts immer dann, wenn beispielsweise Kinder, die mit dem Rad unterwegs sind, oder Radfahrer mit (Kinder)Anhänger überholt werden.

Dies bedeutet, dass Autofahrer auf die Gegenfahrbahn ausscheren müssen, um die vorgeschriebenen Überholabstände zum Radverkehr einhalten zu können. Ist das nicht möglich und die Straße zu eng, muss der Kfz-Verkehr hinter den Radfahrenden verbleiben. Ein Überholen ist in diesem Fall unzulässig.

„Der Abstand wird dabei anhand der äußersten Kante des Kraftfahrzeugs, also meist dem rechten Außenspiegel, und dem äußersten Punkt des Fahrrads, in der Regel der linke Lenker oder der linke Ellenbogen, gemessen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Radfahrende auf der Fahrbahn oder einem Schutzstreifen unterwegs sind“, erklärt Anatoly Arkhipov.

Entsprechend des Rechtsfahrgebots sind Radfahrer bei mehreren aufgeschlossenen Fahrzeugen dazu verpflichtet, an geeigneter Stelle, zum Beispiel auf Seitenstreifen oder an Bushaltestellen, anzuhalten und die aufgeschlossenen Fahrzeuge passieren zu lassen. Zudem sollten Radfahrende mindestens einen Meter Abstand zum ruhenden Verkehr halten, um nicht durch unachtsam geöffnete Fahrzeugtüren gefährdet und verletzt zu werden.

„Aktives Radfahren fördert die Gesundheit, spart Kosten, schont Umwelt und Klima und ermöglicht mehr Bewegung im Alltag. Zunehmend mehr Menschen sind in Meißen mit dem Fahrrad unterwegs und legen dabei tendenziell auch immer weitere Distanzen zurück. Die Markierung von Schutz- oder Radfahrstreifen ist jedoch aufgrund fehlender Fahrbahnverfügbarkeiten nicht immer möglich, wie beispielsweise im Bereich Poststraße, Neumarkt oder der Talstraße an der Porzellan-Manufaktur. Ziel vieler Regelungen der StVO-Novelle ist daher der Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer“, so Meißens Verkehrsplaner.

Auch der ADFC-Fahrradklima-Test 2020 zeigte für Meißen, dass rund zwei Drittel der 149 befragten Meißnerinnen und Meißner sich nicht als vollwertige Straßenverkehrsteilnehmer ernstgenommen fühlen. Mehr als die Hälfte gab außerdem an, dass es regelmäßig zu Konflikten zwischen Radfahrenden und Autofahrern kommt. „Genau diese Akzeptanz unter den Verkehrsteilnehmern möchten wir im Zuge der Aufkleber-Aktion stärken und dadurch einen aktiven Schritt zur Verbesserung des Radfahrklimas beitragen“, sagt Anatoly Arkhipov.

Kontakt

Anne Dziallas
Leiterin Büro des Oberbürgermeisters

Markt 1, 01662 Meißen
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